Transgender in den Geschlechterdiskussionen

In den immer wieder auftauchenden Geschlechterdiskussionen spielen Transgender kaum eine Rolle. Immer wieder geht es um eindeutige Rollen von Männern und Frauen, die einige nach erlerntem Verhalten, andere nach Vererbungsregeln, wieder andere nach hormonellen Abstufungen beschreiben wollen.

Dabei wird von den meisten Autoren, die sich in die immer wiederkehrende Diskussionen einschalten, immer nur davon ausgegangen, dass es Mann und Frau gibt, die in der Regel relativ typischen Geschlechterbildern folgen. Vor einiger Zeit schaltete sich die Psychologin SUSAN PINKER z.B. in die Diskussion ein und behauptet: "Die Jobwelt wurde von Männern für Männer erfunden. Da passen Frauen mit ihren Fähigkeiten und Erwartungen oft nicht rein. Dabei wollen immerhin 50 Prozent beides: Mehrere Kinder UND einen anspruchsvollen Job". Sie geht davon aus, dass Männer "im Beruf powern und die sich bietenden Möglichkeiten, am Familienleben aktiv teilzunehmen, nicht ausreichend nutzen".

Wenn vom Mann gefordert wird, dass er sich intensiv in die Familienbeziehungen einbring, so wird meistens erwartet, dass er das als Mann macht, also keine weiblichen Verhaltensweisen oder gar Kleidungspräferenzen entwickelt.

Anders sieht es alledings aus, wenn der Mann durch gewonnene Freiräume, z.B. wenn er das klassische Rollenbild tauscht und als "Hausmann" Kinder und Haushalt versorgt, besondere persönliche Entwicklungen verfolgt. Ein Mann, der zuhause bleibt, wenn die Frau arbeitet, hat sowieso teilweise mit Anfeindungen und Mobbing zu rechnen. Zudem wird die Rolle des Pflegenden und Kinder Erziehenden nicht besondes honoriert. Was ist, wenn die Freiräume für ein Crossdressing genutzt werden, was ist, wenn die Geschlechtergrenzen nicht verschwinden, sondern aufgeweicht werden?

Da ich selbst in dieser Rolle lebe, kann ich einige Erfahrungen beitragen. Es kommt sicherlich auf die persönlich Sichtweise und das Empfinden an, ob man eine positive oder negative Bewertung vornimmt.

Wenn man es positiv sieht, gewinnt man als "zwischen den Geschlechtern Lebender" etwas hinzu - man gehört zwei Gruppen an - oder besser gesagt, man kann sich in zwei Gruppen hineinfühlen oder hineinversetzen, in die Gruppe des angeborenen Geschlechtes und in die angestrebte Ausdrucksform. Dabei muss man sich auch bei sehr positiver Sichtweise und Beurteilung mit einem Misstrauen der beiden Gruppen auseinandersetzen.

Als Gruppenzugehöriger des angeborenen Geschlechtes wird man zumindest misstrauisch betrachtet, da man die (ungeschriebenen) Rollenregeln nicht beachtet. (Richtige) Männer tragen keine Röcke, interessieren sich nicht für Frauenunterwäsche am eigenen Körper.
Andererseits ist die Betrachtung aus der Rollengruppe ein wenig mit Neid verbunden. Da traut sich jemand etwas, das nach einschlägigen Untersuchungen fast jeder einmal gern tun würde.
Andererseits ist damit sicherlich auch eine Angst verbunden, die Angst den Crossdresser attraktiv finden zu können. Das wäre ja noch schlimmer - dann wäre der Betrachtende - durch Einfluss des Crossdressers schwul???

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